Kommende Termine
Erinnerungstag Zwangsaussiedlungen
Dorfgemeinschaftshaus Schlagsdorf
In zwei Aussiedlungsaktionen 1952 und 1961 verloren insgesamt über 3.000 Menschen aus den Dörfern im Grenzsperrgebiet in Westmecklenburg ihre Heimat. Sie traf der Verwurf, im Sinne der Machthaber politische nicht zuverlässig zu sein. Innerhalb von wenigen Stunden mussten sie ihre Sachen packen und wurden in das Innere der DDR transportiert, wo sie häufig unter widrigen Umständen ein neues Leben beginnen mussten. Bis 1990 konnten sie nicht in ihre Heimatdörfer zurück. Für die Zurückgebliebenen wirkten die beiden Zwangsaussiedlungswellen wie eine Disziplinierung für das weitere Leben im Sperrgebiet. Danach gab es immer wieder einzelne Fälle von Zwangsaussiedlungen, weil ein Familienmitglied erfolgreich in den Westen geflohen war oder andere Straftatvorwürfe anhängig waren. Seit den 1970er Jahren fielen ganze Dörfer im 500-Meter-Streifen den ausufernden Sperranlagen zum Opfer, die geschleiften Dörfer. Heute erinnern hier Gedenksteine an die ehemaligen Ortslagen. Wir wollen an die Menschen, ihre Schicksale und die geschleiften Orte in der ehemaligen Grenzregion erinnern.
- Das Programm der Veranstaltung vereint historische Aufarbeitung, die Vermittlung der Geschichte und Fragen des öffentlichen Erinnerns. Fachleute berichten über ihre Arbeit und kommen mit den Gästen der Veranstaltung ins Gespräch. Prof. Hope Harrison aus den USA beschäftigt sich mit dem DDR-Grenzregime entlang der Ostseeküste. Dr. Felix Ludwig von der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn spricht über die Erfahrungen bei der Vermittlung der Geschichte der Zwangsaussiedlungen.
- Ein aktueller Bezug wird durch den Vortrag von Martina Liedke von Amnesty International hergestellt. Sie spricht über Flucht und Vertreibungen im aktuellen Bürgerkrieg in Sudan.
- Die Gedenkveranstaltung wird traditionell am Gedenkstein für das geschleifte Dorf Lankow stattfinden. Die Andacht hält die Pastorin Ulrike Kurzweg von der Kirchengemeinde Carlow-Schlagsdorf.
Der Erinnerungstag wird gefördert vom Landesbeauftragten Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Landeszentrale für politische Bildung M-V und dem Landkreis Nordwestmecklenburg. Die Kirchgemeinde Carlow-Schlagsdorf, das Biosphärenreservat Schaalsee und die Gemeinde Dechow unterstützen die Veranstaltung.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, aber eine Anmeldung unter Tel.: 038875/20326 oder Mail: info@grenzhus.de ist notwendig.
Für Rückfragen stehen wir sehr gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Andreas Wagner
Museumsleiter
GRENZHUS Schlagsdorf, 19217 Schlagsdorf, Neubauernweg 1, Tel.: 038875/ 20326
Den beiden Zwangsaussiedlungsaktionen 1952 und 1961 fielen in Westmecklenburg über 3.000 Menschen zum Opfer. Sie mussten innerhalb von Stunden ihre Sachen packen und wurden in das Innere der DDR transportiert. Hierher, wo ihre Heimat war, durften sie bis zum Ende der SED-Herrschaft nicht zurückkehren.
Die personelle Säuberung des Grenzsperrgebietes war ein Aspekt der Durchsetzung diktatorischer Herrschaft in der DDR, für die Menschen erlebten Willkür- und Ohnmachts-
erfahrungen. Zu den Rahmenbedingungen gehörte auch der Kalte Krieg zwischen den Supermächten Sowjetunion und USA.
Nach 1961 wurden im Grenzsperrgebiet immer wieder einzelne Familien aus unterschiedlichen Gründen zwangsweise ausgesiedelt. SED-Führung und DDR-Grenztruppen strebten längerfristig danach, den 500-Meter-Streifen bevölkerungsfrei zu bekommen. Zwang, Lockung und Abwanderung sorgten dafür, dass grenznahe Dörfer leergezogen und anschließend dem Erdboden gleich gemacht wurden. Diese Ortslagen befinden sich heute im Grünen Band und sind häufig mit Gedenksteinen und Informationstafeln markiert. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Kirchgemeinde Carlow-Schlagsdorf.
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Programm
Ort: Dorfgemeinschaftshaus Schlagsdorf,
19217 Schlagsdorf, Am Bülten 5
Parkplätze vor dem Dorfgemeinschaftshaus oder der Regionalschule
(Hauptstraße 18 A)
Programm:
10.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Burkhard Bley (Landesbeauftragter M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur)
10.15 Uhr Dr. Andreas Wagner (Grenzhus Schlagsdorf) - Die Aufarbeitung der Geschichte
der Zwangsaussiedlungen in Westmecklenburg – eine Einführung.
10.45 Uhr Prof. Hope Harrison (George-Washington-Universität, z. Zt. Krupp Kolleg
Greifswald) – Leben mit dem DDR-Grenzregime an der Ostseeküste.
11.30 Uhr Kaffeepause
11.45 Uhr Dr. Felix Ludwig (Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn) – Das Haus der
Perschkes – Zwangsaussiedlungen in der Vermittlung der Gedenkstätte Deutsche
Teilung Marienborn
12.30 Uhr Diskussionsrunde: Erfahrungen mit dem Erinnern und der Rehabilitierung
13.00 Uhr Mittagsimbiss
13.30 Uhr Martina Liedke (Amnesty International, Amnesty Kogruppe Sudan/Südsudan) –
Flucht und Vertreibung im Sudan. Menschenrechtsverletzungen und ihre
Hintergründe
14.30 Uhr Wechsel zum Gedenk- und Lernpfad für das geschleifte Dorf Lankow
15.00 Uhr Begrüßung Udo Wachtel (Bürgermeister Dechow) und Andacht Pastorin Ulrike
Kurzweg (Evang. Kirchgemeinde Carlow-Schlagsdorf)
Abschluss bei Kaffee und Kuchen am Gedenkort
Teilnahme ist kostenfrei. Um eine Anmeldung zur Veranstaltung beim Grenzhus wird
gebeten.
Anmeldung: GRENZHUS Schlagsdorf
Neubauernweg 1
19217 Schlagsdorf, Tel.: 038875/ 20326, Email: info@grenzhus.de