SCHLAGSDORF/SCHLUTUP - In der Ausstellung in Schlagsdorf und in Lübeck-Schlutup werden zunächst Installationen von Renate U. Schürmeyer präsentiert. Die in Ost-Berlin geborene und in Schleswig-Holstein aufgewachsene Künstlerin zeigt jeweils sieben Kleidungsstücke, die in Beton erstarrt sind.
Sie stammen von Menschen aus der ehemaligen Grenzregion. "Vielleicht kann meine Arbeit dazu beitragen, sich dieser Geschichte zu erinnern, es deutlich werden lassen, dass es eine Erstarrung auf beiden Seiten an dieser Grenze gegeben hat", sagte Schürmeyer während der Ausstellungseröffnung in Schlagsdorf. Je öfter sie mit Menschen beiderseits der ehemaligen Grenze Gespräche geführt und Arbeit vorgestellt habe, desto bewusster sei ihr geworden: Der Grenzraum habe sich damals nicht nur auf der Ostseite befunden.
Jedes Exponat ist an einem etwa zwei Meter hohen Eisengestell befestigt und wird durch Zitate aus Gesprächen mit Zeitzeugen ergänzt. In Schlutup ist zu lesen: "Wir haben Kerzen in die Fenster gestellt, für die Brüder und Schwestern in der Zone." Ein Zitat in Schlagsdorf lautet: "Wir konnten das Wasser des Sees riechen, aber wir kamen nicht hin."
Mit dem Projekt "Grenzraum 09/10" eröffne sich erstmalig in MV die Chance, mit künstlerischen Mitteln das Grenzthema für eine breite Öffentlichkeit zu erschließen, sagte Miro Zahra vom Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow. Dort wird das Kunstprojekt am 30. Oktober und 1. November mit einem Symposium und einer Dokumentations-Ausstellung fortgeführt.
An der Ausstellungseröffnung hatte auch Nordwestmecklenburgs Landrätin Birgit Hesse teilgenommen. Als die Mauer fiel, war sie 14 Jahre jung. "Die Wiedervereinigung war für mich persönlich das Schönste, was passiert ist - zum einen privat, da wir eine ,Ost-West-Beziehung’ führen, aber auch beruflich. Aus meiner Sicht ist zusammengewachsen, was zusammengehört", sagte die gebürtige Elmshornerin.
Schlagsdorfs Bürgermeister Ingo Melchin - 1964 geboren und in der Grenzregion aufgewachsen - bezeichnete die Ausstellung als Bereicherung für den Ort. Die Ausstellung mit Kleidung, Zement, Eisen und Zitaten ist noch bis zum 11. November rund um die Uhr zu sehen.
www.Schlagsdorf.de wird ihnen präsentiert von Egbert Mader