Anlässlich des 20. Jahrestages der Grenzöffnung wurde an das geschleifte Dorf Neuhof erinnert. Die Kirchgemeinde hatte zum Gottesdienst eingeladen.
Zur Erinnerung an Neuhof wurde ein Findlings als Gedenkstein mit Ortsnamen und Jahreszahlen eingeweiht.
Bild 2 und 3 - Repro Grenzhus Schlagsdorf
Text im Grenzhus:
Das Dorf ist, wie schon der Name erkennen lässt, eine deutsche Gründung des Mittelalters. 1336 wird in einer Urkunde vom „Nigehof“ als Besitz des Ratzeburger Domkapitels geschrieben. Ende des 16. Jhs. wurde Neuhof neu erbaut. Nach der Säkularisierung (Überführung kirchlichen Besitzes in weltliches Eigentum nach der Reformation) wurde der Gutshof Eigentum des Herzogs. Inmitten des fast rein bäuerlichen Besitzes im Fürstentum Ratzeburg lag der Domanialhof Neuhof. 1644 wurde das Dorf durch schwedische Truppen zerstört, kurz danach wieder aufgebaut. Um 1840 wurde das Herrenhaus errichtet, das bis in die Gegenwart das Dorfbild bestimmte. Bei der letzten Volkszählung vor dem 2. Weltkrieg hatte der Ort 87 Einwohner. Die Gutshofanlage lag auf der Erhebung, die von Wiesen umgeben ist. Die einfachen Häuser der Gutsarbeiter lagen am Weg zur benachbarten größeren Gemeinde Schlagsdorf. Auch hier stieg die Einwohnerzahl bei Kriegsende durch Flüchtlinge auf über 100 an. Durch die Bodenreform war das Gutsland aufgeteilt worden; das Dorf vergrößerte sich durch Neubauernstellen. In den 50er Jahren wurde die Infrastruktur verbessert durch den Bau fester Straßen, einer zentralen Wasserversorgung und die Einrichtung einer Verkaufsstelle. Mit 140 Einwohnern hatte Neuhof 1958 die höchste Einwohnerzahl in seiner Entwicklung. Nach und nach verzogen Familien aus dem Dorf, z.T. in den Westen. Mit den „Sicherungsmaßnahmen" an der Grenze wurden die Schwierigkeiten immer größer. Der Weg nach Schlagsdorf durch den Wald wurde gesperrt. Schließlich rodeten die Grenztruppen das Waldstück. Für Neuhof wurden die 70er Jahre das Ende seiner Geschichte. 1972 fanden Versammlungen statt, auf denen Funktionäre vom Rat des Kreises die Bewohner davon zu überzeugen versuchten, dass das Dorf „zur Sicherung unserer Staatsgrenze, der Grenze zwischen Krieg und Frieden" verschwinden müsse. Am 10.11.1975 wurden Wohngebäude abgerissen. Im April 1976 registriert der Bundesgrenzschutz die Fortsetzung der Abrissarbeiten. „Nur noch l Haus ist besetzt." Am 8.1.1977 ist das Dorf vernichtet.
So wie Neuhof erging es ähnlich Lenschow und Bardowiek. In anderen Dörfern wurden Teile der Siedlungen abgerissen, so in Dutzow, Utecht, Campow, Zarnewanz, Teschow, Schwanbeck, die an der Grenze lagen. Aber auch andere Ortschaften, die im 5-km-Streifen oder in deren Nähe lagen, wurden nicht mehr gefördert. Die Bewohner verzogen wegen der Schwierigkeiten, die ein Leben im Grenzgebiet mit sich brachten. Die Häuser verfielen. Als Beispiele seien hier Malzow, Wahlsdorf und Schlagsülsdorf genannt.(H.St.)
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