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18. März 2009 08:22
Allgemeines

Von: SVZ - Michael Schmidt

Demo an ehemaliger Grenze

Knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall haben gestern Abend 300 Menschen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Utecht demonstriert. Sie forderten die Aufhebung eines Baustopps für eine Ost-West-Verbindung und schalteten inzwischen auch die Ministerriegen und Schwerin und Kiel ein. Naturschützer weisen gegen sie gerichtete Vorwürfe zurück.


Demo an der Wakenitzbrücke

UTECHT - "Öffnet die Grenze! Lasst uns durch! Ja zur Natur, Nein zum CO2!" Es waren klare Forderungen, die 300 Menschen gestern Abend an der fast fertigen Wakenitzbrücke stellten. Sie wollen nicht weiter kilometerlange Umwege in Kauf nehmen, wenn sie zur Arbeit nach Lübeck oder ihre Kinder zu Sportvereinen in Groß Grönau fahren wollen.

 "Meine Kinder müssen wegen diesem Umweg 1,5 Stunden länger in der Schlagsdorfer Kita bleiben, weil ich jetzt später nach Hause komme als vor den Bauarbeiten. Ich arbeite in Lübeck und will keine Umwege mehr", forderte beispielsweise Gerlind Voelkner.

Klare Worte fand auch Utechts Bürgermeister Andreas Spiewack: "Wir wollen schnellst möglich wieder über die Brücke." Er kündigte notfalls weitere Demonstrationen mit hunderten Teilnehmern an. Spiewacks Stellvertreter Joahnnes Ellmann stellte klar: "Jeder ist hier für Naturschutz, deswegen sind viele von uns hier hergezogen. Aber wenn Existenzen kaputt gehen, können wir uns nicht so schnell wie Vögel andere Nester bauen."

Um Schadensbegrenzung bemüht ist inzwischen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der immer stärker unter Druck gerät. Die Schuld an dem Brücken-Baustopp wollen sich die Naturschützer nicht ankreiden lassen. Stattdessen attackieren sie die verantwortlichen Baubehörden und sprechen von Verletzungen des Naturschutzrechtes. Die Behörden hätten nichts bzw. viel zu wenig unternommen, um besonders geschützte und bedrohte Arten in der Paarungs- bzw. beginnenden Brutzeit vor einer Vertreibung aus ihrem Lebensraum zu bewahren. Die Wakenitz sei der Amazonas des Nordens, so der BUND.

Heute soll das Oberverwaltungsgericht Schleswig entscheiden, ob der von Naturschützern durchgesetzte Baustopp der fast fertigen, zwei Millionen Euro teuren Wakenitzbrücke bestehen bleibt.

In ihrer Verzweiflung wandten sich Betroffene inzwischen auch an die Landesregierungen in Schwerin und Kiel. In einem Schreiben attestieren sie dem Umweltverband BUND einen erbitterten Kampf gegen das Bauwerk, dass eine 1927 erbaute Brücke ersetzen soll. Tourismusbetriebe hätten bereits schwere Einbußen hinnehmen müssen. Ein weiterer bedrohlicher Aspekt sei die Notfallrettung. Die Fahrt zur Lübecker Uniklinik sei inzwischen eine "Weltreise" geworden. "Man müsste nur noch die Straße nach Thandorf sperren, dann müssten Utecht und Campow aus der Luft versorgt werden. Steht hier der Vogelschutz vor dem Schutz der Menschen", fragen 49 Unterzeichner des Hilferufs an die Minister.

Etliche Betroffene müssen seit August vergangenen Jahres Umwege von 30 Kilometern in Kauf nehmen. Utechter rechnen vor: Eine weitere Brückensperrung bedeutet bei 500 Autofahrern Umwege von insgesamt 15 000 Kilometern pro Tag. Sie warnen vor zusätzlichen Abgasen mit dem Ozon-Killer CO2. "Um die Menge hochzurechnen, braucht man nicht mehr die Maßeinheit Gramm oder Kilogramm, sondern Tonnen", warnt ein Ingenieur des TÜV Nord. Auf ein halbes Jahr berechnet würde es einen Kohlendioxid- Ausstoß von 1155 Tonnen geben. Berechnungsgrundlage seien 3500 Brückenbenutzer pro Tag und eine Umgehungsstrecke von 30 Kilometern pro Fahrzeug.

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